Der Jägerhof in Alt-Oestrum soll wach geküsst werden.

Düsseldorfer Architekt hat den Jägerhof gekauft.

Auf ‘Du bist Rheinhausen’ stellen wir Bürgern unter der Kategorie Bürgeranliegen gern eine Kommunikationsplattform bereit, um ihre Anliegen zu teilen und Mitstreiter*innen zu gewinnen. Setzt euch gemeinsam mit anderen für Eure Herzensthemen ein. Dieser Artikel ist ein Update zum Artikel vom 25.11.2020 „Dem historischen Zentrum von Alt-Oestrum droht Ungemach – Bürger für den Jägerhof in Alt-Oestrum“

Dass im Märchen ein Frosch geküsst wird und sich dann in einen Prinzen verwandelt, ist bekannt. Im wirklichen Leben funktioniert das auch, nicht mit Fröschen, aber mit Gebäuden. Der Düsseldorfer Architekt Andreas Knapp und sein Büro KÜSSDENFROSCH zeigen, wie es geht.

Der Name ist Programm. Seit 2003 werden interessante, erhaltenswerte und außergewöhnliche Gebäude aufgespürt und ein wirtschaftliches Konzept entwickelt, das den Erhalt dieser Gebäude für das Stadtbild und die nächsten Generationen sicherstellt. Die Gebäude werden wach geküsst.

Andreas Knapp ist in Rheinhausen geboren und aufgewachsen. Im Duisburger Westen ist er mittlerweile kein Unbekannter mehr. In Homberg hat er die evangelische Rheinkirche zu einem Kolumbarium umgebaut. Das alte Pumpenhaus an der Königstraße hat er im vergangenen Jahr erworben.

Ebenfalls im vergangenen Jahr hat er den Jägerhof an der Eichenstraße in Alt-Oestrum gekauft.

Ein Blick zurück: Ende 2019 wurde bekannt, dass der Jägerhof abgerissen und durch ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten und Tiefgarage ersetzt werden sollte. Die Pläne lagen bereits der Bauverwaltung vor. Einige Nachbarn an der Eichenstraße waren entsetzt. Es war noch nicht lange her, dass der Platz mit der Friedenseiche als Denkmal eingetragen wurde. Die Initiative hierfür begann im Frühjahr 2019 und führte letztlich zum Erfolg. Zusammen mit dem Haus Nr. 26 hatte der historische Kern von Alt-Oestrum zwei Denkmale. Nunmehr bestand die Gefahr, dass der heimelige Charakter von Alt-Oestrum durch ein nicht angepasstes und nicht das Ortsbild berücksichtigende Bauvorhaben erheblich beeinträchtigt werde.

In der Nachbarschaft regte sich Widerstand. Wie sollte eine geeignete Strategie aussehen. Von der Ortspolitik kam leider nicht der gewünschte Rückhalt in der Form, dass die sich für den Fortbestand des Jägerhofs aussprach. Eine dem Ortsbild angepasste Neubebauung sei vorstellbar. Das war nicht hilfreich.

Nun aber zeigte sich, wie bürgerschaftliches Engagement und Eigeninitiative gute Ergebnisse bringen. Das Architektenbüro KÜSSDENFROSCH wurde angesprochen. Recht schnell kam Anfang 2020 ein Termin vor Ort zustande. Andreas Knapp war so von dem Gebäude angetan, dass er 2021 den Jägerhof kaufte. In jenem Jahr fanden auch zwei Nachbarversammlungen statt. Im Mittelpunkt standen Informationen an die Nachbarn und ein reger Austausch von Ideen für eine künftige Nutzung des Jägerhofs.

Doch bis es so weit ist, müssen eine Bestandsaufnahme gemacht und der Sanierungsbedarf ermittelt werden. Entscheidend aber ist, der Jägerhof bleibt erhalten, das Mehrfamilienhaus ist vom Tisch.

Bürgerschaftliches Engagement funktioniert also. Das macht Mut für die Zukunft.

Und die steht bereits auf der anderen Straßenseite vor der Tür. Im November 2021 hat der Rat der Stadt die Aufstellung eines Bebauungsplans für den Bereich an der Eichenstraße zwischen der Moerser Straße und Burgfeld beschlossen. Ziel ist die Schaffung von Wohnraum. Es ist zu vermuten, dass die Hofanlage nicht Teil der Planung und künftigen Bebauung sein wird. Das Verschwinden der Hofanlage und eine neuzeitliche Bebauung werden die städtebauliche Situation, insbesondere am
Platz mit der Friedenseiche erheblich verändern.

Durchaus vorstellbar ist, wenigstens einen Teil der Hofanlage in das Neubauprojekt zu integrieren oder auch Materialien der Gebäude beim Bau und der Gestaltung der neuen Häuser zu verwenden.

Es bleibt somit abzuwarten, welche Ideen in der nächsten Zeit präsentiert werden, wie mit diesem Kleinod rund um die Friedenseiche umgegangen werden soll und ob der besondere Charakter Alt-Oestrums erhalten bleibt.

Wer wissen möchte, was KÜSSDENFROSCH in den vergangenen Jahren realisiert hat, kann sich das auf der Internetseite www.kuessdenfrosch.haus mal anschauen.

Dieter Recksiegel
Stadtplaner
dieter.recksiegel@gmx.de
02065 899830

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.