Dem historischen Zentrum von Alt-Oestrum droht Ungemach – Bürger für den Jägerhof in Alt-Oestrum

Auf ‘Du bist Rheinhausen’ stellen wir Bürgern unter der Kategorie Bürgeranliegen gern eine Kommunikationsplattform bereit, um ihre Anliegen zu teilen und Mitstreiter*innen zu gewinnen. Setzt euch gemeinsam mit anderen für Eure Herzensthemen ein. 

Dieter Recksiegel sucht Rheinhauserinnen und Rheinhauser, die sich mit ihm für den Erhalt des Jägerhofs in Alt-Oestrum, mindestens aber für eine historisch angemessene Neubebauung auf dem Grundstück des Jägerhofs einsetzen. Zusammen mit den umstehenden Gebäuden (Hausnummer 26 und 28) sowie der Friedenseiche samt Gitterzaun bildet der Jägerhof ein Ensemble, das  für das historische Stadtbild in Alt-Oestrum steht und nicht nur aus seiner Sicht, unbedingt erhalten werden muss. Es gilt gemeinsam die Initiative zu ergreifen und bei einer Planung für die Neubebauung aktiv mitzuwirken.

Dieter Recksiegel, Stadtplaner

Ein Investor beabsichtigt, den Jägerhof an der Eichenstraße in Alt-Oestrum abzureißen und dort ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohneinheiten samt Tiefgarage zu errichten. Seit Oktober treibt die Sorge um den Erhalt dieses Kleinods, den historischen Mittelpunkts von Alt-Oestrum mich und etliche Nachbarn sowie andere in Rheinhausen um. Blankes Entsetzen von direkten Nachbarn, Befürchtungen, Alt-Oestrum könnte nachhaltigen Schaden nehmen.

Ein Blick zurück. Im vergangenen Jahr waren die Friedenseiche und deren Erhalt ein großes Thema. Als Folge des Engagements von Bürgerinnen und Bürgern hatten dann Teile der Bezirksvertretung Rheinhausen  eine Unterschutzstellung nach Denkmalschutzgesetz gefordert. Die Denkmalbehörde der Stadt Duisburg hat schnell reagiert und die Eiche einschließlich Baumscheibe und historischem Gitter unter vorläufigen Schutz gestellt. Das Gebäude Eichenstraße 28 ist schon seit längerem als Denkmal eingetragen. 

In der Beschlussvorlage der Denkmalbehörde vom Herbst dieses Jahres für die Eintragung des Ensembles mit der Eiche in die Denkmalliste finden sich die nachfolgenden Aussagen:

„Zusammen mit dem deutlich überwiegenden Teil der benachbarten Bebauung markiert der Platz mit der Friedenseiche eines der beiden historischen Siedlungszentren von Oestrum. Aufgrund Größe und rechtlicher Stellung der dortigen Hofstellen können Platz und Bebauung rund um die Eiche sicher auch als das bedeutendere der beiden Zentren angesehen werden. Zusammen mit den Gebäuden Nr. 21, Nr. 26, Nr. 28 ist die Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzte Eiche integraler Teil eines Ensembles, das schon seit langem bekannt und als Sehenswürdigkeit präsent ist (vgl. die bekannte historische Ansichtskarte) und bis heute einen positiven, über die Grenzen Oestrums hinaus bekannten Akzent im Siedlungsbild bildet. Die Friedenseiche besitzt mithin hohe raumdefinierende und bildhafte Wirkung. Besondere Ausschmückung erfuhr sie durch ein Ziergitter und eine umgebende, platzartige Fläche, die den Baum aus den Fahrbahnen der Straßen abhebt. Sie ist im Sinne des Denkmalschutzgesetzes unverzichtbar für das Ortsbild, welches durch umgebende, im Erscheinungsbild mind. aus dem 19. Jahrhundert stammende, im Ursprung aber wesentlich ältere Bebauung (Hofanlagen und Gaststätte) ein noch dichtes historisches Gepräge besitzt. Wenn der heimelige Charakter des Dorfes Oestrum innerhalb der Großstadt Duisburg heute wiederholt gepriesen wird, wird in aller Regel genau auf diesen Platz rund die Eiche und die umgebende Bebauung Bezug genommen. Der Platz mit Baum stellt also einen ganz wesentlichen Teil des historischen und aktuellen städtebaulichen Charakters Oestrums dar.“

Besser lässt sich die Situation nicht beschreiben. Doch durch das Bauvorhaben auf dem Grundstück des Jägerhofs wird genau dieser heimelige Charakter gefährdet. Das sehen viele so. Auch die Denkmalbehörde der Stadt hat die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes geprüft. Die Prüfung ist negativ ausgefallen. Zuviel wurde in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Der Originalzustand ist nicht mehr gegeben. Der Jägerhof ist und wird kein Denkmal.

Ich war als Stadtplaner bei der Stadt Duisburg mehr als 30 Jahre für Rheinhausen tätig. Viele Projekte habe ich begleitet. Meinen kritischen Geist habe ich mir erhalten. Der zeigt sich auch bei der Beurteilung des aktuellen Vorhabens. Tatkräftige Unterstützung erhalt ich derzeit von einer der Betroffen an der Eichenstraße. Brigitte Dingermann wohnt direkt nebenan und zeigte sich entsetzt über die Planung eines riesigen Wohnblocks, der den Dorfcharakter mit einem Schlag zerstören würde.  Ob man denn in Rheinhausen alles Schöne vernichten müsse, fragt sie.

Auch wenn der Jägerhof kein Denkmal ist, dürfen Investoren dort nicht nach Belieben planen und bauen. Nach dem Denkmalschutzgesetz ist jedes Vorhaben in der engeren Umgebung eines eingetragenen Denkmals Erlaubnis pflichtig. Und in der engeren Umgebung gibt es zwei Denkmale, Haus Nr. 28 und das Ensemble mit der Eiche.

Darüber hinaus hat die Verwaltung zu prüfen, ob das beantragte Mehrfamilienhaus auch planungsrechtlich zulässig ist und sich in die Umgebung einfügt. Hierzu gibt es zahlreiche Stimmen, die das verneinen und bereits auf diesem Wege die Verhinderung des Baus sehen oder hoffen. Doch auch wenn das eintreten sollte, wäre das grundsätzliche Problem an der Eichenstraße nicht gelöst. Kommt der nächste Investor, geht das Spiel von neuem los. Diese Verhinderungsstrategie mit Warten auf die nächste Planung kann nicht die Lösung sein. Was hier erforderlich ist, ist eine aktive Herangehensweise. Also nicht fortwährend schlechte Entwicklungen verhindern, sondern stattdessen eine gute Entwicklung für Alt-Oestrum fördern.

Jedes Bauvorhaben an dieser Stelle muss sich mit dem historischen Zusammenhang und den damit verbundenen qualitativen Anforderungen an Gebäudegröße, -höhe, Proportionen, Gestaltung und Materialien auseinandersetzen. Das bedeutet einen aufwendigen Abstimmungsprozess zwischen Eigentümer, Investor, Planung, Denkmalschutz und letztlich auch den Menschen vor Ort, die am Ende mit der neuen Situation leben müssen. Wir dürfen nicht leichtfertig mit dem historischen Erbe in Alt-Oestrum umgehen, indem wir den Prozess der Neuausrichtung dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Das ist – erfahrungsgemäß – bisher selten gut ausgegangen.

Schließlich ist die Seite der Eichenstraße mit dem Jägerhof nur einer von zwei Standorten künftiger Entwicklungen. Auf der anderen Seite, wo sich die Hofstelle befindet, gibt es ebenfalls seit Jahren Bestrebungen für eine Neubebauung. Im vergangenen Jahr hat die Bezirksvertretung Rheinhausen beschlossen, hier einen Bebauungsplan für eine Wohnbebauung aufzustellen. Wenn es also schlecht läuft mit der baulichen Entwicklung, werden wir den Platz um die Eiche in einigen Jahren nicht wiedererkennen. Der heimelige Charakter ist in Gefahr zu verschwinden.

Die Ortspolitik hat sich auch schon geäußert, indem sie mitteilte, dass am Standort des Jägerhofs Einfamilienhäuser errichtet werden sollten. Das ist zu wenig und stellt kein tragfähiges Konzept dar. Sie sollte sich klarer positionieren und die Verwaltung auffordern, eine Strategie, eine Planung  für diesen Ort zu erarbeiten, die die Rahmenbedingungen für eine bauliche Entwicklung und eine Orientierung für Investoren, Bauherren und Architekten vorgibt. Mit dem Blick auf den historischen und denkmalgeschützten Kontext.

Das Ziel muss deshalb  jetzt sein, dass alle am Prozess beteiligten Akteure als erstes einen Stopp der aktuellen Planung vereinbaren und dann ein Konzept entwickeln, wie das historische Zentrum von Alt-Oestrum künftig aussehen soll. Ob das mit einem veränderten / umgebauten / neugenutzten Jägerhof sein wird oder mit einer denkmalverträglichen Neubebauung, bleibt dahin gestellt. Ebenso ist die Seite mit der Hofstelle in dieses Konzept einzubeziehen. Entscheidend ist, die Initiative zu ergreifen, aktiv den Prozess zu gestalten und nicht nur zu reagieren. Das macht Mühe, wird sich aber auch lohnen.

Dieter Recksiegel,

Email: dieter.recksiegel@gmx.de

Telefon: 02065 899830

 

 

 

Comments
  • Sascha Bruchwalski sagt:

    Ich finde das Vorhaben abscheulich.
    Allein auf diese Idee zu kommen….
    Ich hoffe dem wird ein Riegel vorgeschoben.

  • Doris Goebel sagt:

    Hallo, mein Name ist Doris Goebel. Ich bin in Oestrum geboren und wohne noch immer auf der Lohstraße ! Nein… keinen Wohnblock!! Schauen sie auf das alte Habermannhaus am Ballbruchgraben. Es geht anders! Nicht aufgeben! Bin bereit mitzukämpfen!

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